Sie haben Ihren Hausrat versichert und eine Vollkasko für Ihr neues Auto abgeschlossen? Was werden Sie hiervon abschaffen und kündigen, wenn Sie über einen längeren Zeitraum keine Einnahmen aus Ihrer Berufstätigkeit erzielen? Als Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung sind Sie gegen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit versichert. Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung werden allerdings meist erheblich überschätzt: Ein Durchschnittsverdiener erhält nach 35 Jahren Mitgliedschaft gerade einmal 25 % seines letzten Bruttogehaltes als Berufsunfähigkeitsrente.

Mit Wirkung zum 1.1.2001 wurde die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente für alle Personen, die noch nicht das 40. Lebensjahr vollendet hatten, abgeschafft. Nunmehr gibt es nur noch zweistufige Erwerbsminderungsrenten. Maßstab für die Feststellung der Erwerbsminderung ist allein das Leistungsvermögen in jeder nur denkbaren Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zudem müssen wie früher auch einige versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Es gilt eine Mindestbeitragszeit von 60 Monaten, sowie die Leistung von 36 Pflichtbeiträgen innerhalb der letzten 5 Jahre (Ausnahmen bei Berufsunfällen).  Sie können Ihren Bedarf über eine private Versicherung abdecken. Diese zahlt Ihnen im Fall der Berufsunfähigkeit eine Rente in vereinbarter Höhe und Laufzeit.

Empfehlung

1. Achten Sie auf die Bedingungen

Eine gute Versicherung verzichtet auf Ihr Verweisungsrecht. D.h. sie kann Ihnen Leistungen nicht verweigern mit dem Hinweis darauf, daß Sie in einem anderen zumutbaren Beruf die Kriterien für Berufsunfähigkeit (50%) nicht erreichen – unabhängig davon, ob Sie dort tatsächlich eine Anstellung finden. Eine gute Versicherung zahlt vom ersten Tag an, wenn Sie voraussichtlich 6 Monate berufsunfähig geschrieben werden. Sie zahlt auch rückwirkend, wenn sich erst später rausstellt, daß Sie 6 Monate berufsunfähig waren.  Wenn Sie berufsunfähig sind, sollten Sie auch keine Beiträge mehr bezahlen müssen. Eine gute Versicherung zwingt Sie nicht Arztbehandlungen durchzuführen, die Sie aus welchen Gründen auch immer ablehnen.

2. Achten Sie auf sinnvolle Laufzeiten

Versicherungsschutz und Rentenzahlung können erheblich voneinander abweichen.

Beispiel:
Versichert bis zum 40igsten Lebensjahr mit Leistungsdauer bis zum 65igsten Lebensjahr bedeutet, daß Sie nur eine Leistung erhalten, wenn sie vor dem vierzigsten Lebensjahr berufsunfähig werden. Eine Versicherung bis zum 40. Lebensjahr macht nicht viel Sinn, wenn Sie mit 40 Jahren eine neue Versicherung mit erneuter Gesundheitsprüfung und wesentlich höheren Beiträgen abschließen müssen.

3. Dynamik

Gerade bei langfristigen Verträgen sollten Sie eine Dyamik vereinbaren, um die zukünftige Geldentwertung auszugleichen. Die Dynamik bewirkt eine jährliche Erhöhung Ihrer Beiträge und damit auch der Versicherungsleistungen.

4. Vorsicht vor Kombiprodukten

Häufig werden Berufsunfähigkeitsversicherungen in Kombination mit kapitalbildenden Lebensversicherungen angeboten. Bedenken Sie, daß Sie bei Kündigung Ihrer Lebensversicherung auch Ihren Berufsunfähigkeitsschutz verlieren. Dem können Sie vorbeugen, wenn Sie eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

5. Direktversicherung

Arbeitnehmer (ohne öffentl.Dienst) sollten überprüfen, ob Ihr Betrieb nicht auch Direktversicherungen mit Gehaltsumwandlungen zuläßt (Im Regelfall: ja). Wenn Sie die Beiträge für Ihre Versicherung aus Ihrem Weihnachts- und/oder Urlaubsgeld bestreiten hat dies einen großen Vorteil für Sie. Die Beiträge werden direkt aus den Bruttobezügen bezahlt. D.h. die Beiträge unterliegen nicht Ihrem Spitzensteuersatz (Dies ist der Steuersatz auf die letzten 1.000,- DM) sondern werden stattdessen nur pauschal versteuert (22,5%). Darüberhinaus brauchen Sie keine Sozialabgaben für die Beitäge zu bezahlen. Dies bedeutet eine erhebliche Ersparnis gegenüber einer Berufsunfähigkeitsersicherung, die Sie aus Ihrem Nettogehalt bezahlen. Nährere Erläuterungen finden Sie im Kapitel Steuern